Tag für alle
Ein starkes Zeichen für Mitmenschlichkeit – der zweite Unterföhringer Inklusionstag vor dem Bürgerhaus
- Wo soll man zuerst hingehen? Was ausprobieren? Welches Rätsel lösen?
- Wie ist es, sich mit einer VR-Brille nach Frankreich entführen zu lassen – obwohl man doch hier in Unterföhring auf der Bierbank sitzt?
- Wie fährt sich ein Rollstuhl auf einer Rampe?
- Was macht ein Therapiehund und wie begegne ich chronischem Schmerz?
- Wie gehe ich mit Hör- und Lesehilfen um?
- Wie komme ich mit meinem Handy, mit meinem Computer zurecht?
Bunt und umfangreich waren die Angebote des zweiten Unterföhringer Inklusionstags vor dem Bürgerhaus. 19 Organisationen und Vereine hatten sich etwas ausgedacht um zu zeigen, dass Inklusion, also die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am Alltag, für Unterföhring nicht nur ein Ziel für irgendwann ist.
„Sie ist eine Selbstverständlichkeit und ein grundlegender Wert, den wir hier vor Ort leben möchten“ – so hatte es Bürgermeister Florian Klietsch in seiner Begrüßungsrede gesagt.
Begrüßt wurden die Menschen am Sonntag auch von David Engelhardt, dem Geschäftsführer des Behindertenbeirats des Landkreises München: Es sei ihm eine Freude und Ehre, den Tag mit eröffnen zu dürfen, sagte er. Der Name der Veranstaltung – Tag für alle – sei ein politischer Auftrag, denn „alle“, das sei schnell gesagt. „Aber wenn wir es ernst meinen, dann ist das Wort anspruchsvoll.“ Alle, das seien die, die übersehen, überhört oder zu spät berücksichtigt würden, mit sichtbaren und unsichtbaren Behinderungen. Das Wort Inklusion komme in vielem vor, sei aber noch nicht überall wirklich vertreten: Bei der Frage, wie man in ein Gebäude hineinkomme, eine Wohnung finde, einer Arbeit nachgehe, an Informationen gelange, wie Entscheidungen getroffen würden. „Behinderung muss von Anfang an mitgedacht werden und Inklusion bedeutet, dass alle Menschen gleich viel wert sind“, sagte Engelhardt. Inklusion sei unvereinbar damit, Menschen nach ihrer Leistungsfähigkeit und ihrer Herkunft zu bewerten. Inklusion ist ein Menschenrecht.
Unterföhringer Inklusionspreis 2026
Wie sehr Inklusion in Unterföhring tatsächlich auch schon stattfindet, zeigten die Inklusionspreise, die an dem Tag an Unterföhringer Organisationen verliehen wurden. Überreicht wurden sie von Bürgermeister Florian Klietsch und einem Ehrengast des Tages, der amtierenden Mrs Oberbayern, Minka Omeragic. Eine Jury aus Mitgliedern der Unterföhringer Beiräte, Gemeinderat und Verwaltung hatte die Preisgelder von insgesamt 10.000 Euro verteilt.
In der Kategorie „Arbeit“ nahm Ricarda Reimann den ersten Preis, dotiert mit 2.500 Euro, für die Nachbarschaftshilfe entgegen. Der Verein hatte die Feier zu seinem 50. Geburtstag wesentlich von Menschen mit sichtbarer und unsichtbarer Behinderung organisieren lassen. Mit dem Preisgeld wird nun die Vereinswebsite barrierefrei gestaltet.
Der AWO-Kindergarten St. Florian, in Person von Leiterin Vassiliki Thanassia-Vassiliu, erhielt am Sonntag den ersten Preis in der Kategorie „Bildung" für das Projekt „Kleine Hände lernen sprechen“. Seit Januar werden dort alltagsunterstützende Gebärden in das tägliche Miteinander integriert und Sprache so für alle Kinder visuell sichtbar gemacht. So werden Barrieren aktiv abgebaut.
Der zweite Platz in der Kategorie „Bildung", mit 1.000 Euro dotiert, ging an die Musikschule Unterföhring, Daniel Franz und Michael Frey, die 2026 zum „Jahr der Inklusion“ ausgerufen hat. Eine Musiktherapeutin wurde angestellt, ein geschützter Raum für Menschen mit Förderbedarf eingerichtet, und jetzt bietet die Musikschule auch Musikpädagogik im Seniorenzentrum an.
In der Kategorie „Bildung“ ging der dritte Platz mit 500 Euro an den Helferkreis, vertreten durch Dagmar Hoffmann, für die ehrenamtliche Begleitung geflüchteter Familien mit schwer beeinträchtigten Kindern.
Platz eins mit einem Preisgeld von 2.500 Euro ging in der Kategorie „Freizeit und Kultur" an die inklusive Tanzgruppe des TSV, die mittlerweile Feste der Gemeine immer wieder mit ihren Tanzeinlagen bereichert. Gegründet durch einen Impuls von Magdalena Kohl (3. v. r.) aufgrund des ersten Inklusionstags 2024. Sie schafft eine enorme Sichtbarkeit für gelebte Inklusion.
In der Rubrik „Freizeit und Kultur“ freute sich der Rugbyclub Unterföhring, vertreten durch Dave Rumary über den mit 1.000 Euro dotierten zweiten Platz. Mit dem Projekt „Rugby in Schools“ nutzt der Verein den Sport als pädagogisches Werkzeug. Neurodiverse Kinder und Kinder mit Integrationshintergrund aus 42 Nationen werden spielerisch und in einem geschützten Rahmen in das Training integriert.