Klimaanpassung

Vollgelaufene Radunterführung nach anhaltendem Starkregen am Etzweg im Jahr 2024.

Der Klimawandel betrifft auch uns in Unterföhring. Unsere Erde erwärmt sich, und die Folgen sind bereits heute spürbar: zunehmende Hitzewellen, häufigere Starkregenereignisse und längere Trockenperioden. Auch in unserer Gemeinde erleben wir diese Veränderungen immer häufiger. Um die Auswirkungen auf die Lebensqualität für Sie so gering wie möglich zu halten, setzt die Gemeinde verstärkt auf Maßnahmen zur Klimaanpassung. Gleichzeitig gilt: Je erfolgreicher unser Klimaschutz, desto weniger Anpassung wird nötig sein.


Was tun bei Starkregen?

Starkregenereignisse treten infolge des Klimawandels zunehmend häufiger und intensiver auf. Daher hat die Gemeinde Unterföhring eine Starkregengefahren-Hinweiskarte erstellen lassen, welche genutzt werden kann, um Informationen über eventuelle Gefahrenquellen auf Grundstücken einzuholen. Auch die Gemeinde wird diese Karte als Planungsinstrument nutzen. Diese Hinweiskarte basiert auf einer Modellberechnung unterschiedlich starker Regenereignisse. Dabei wurden besonders Sturzflutereignisse betrachtet, bei denen eine große Regenmenge innerhalb kurzer Zeit auftritt.

Ausschnitt aus der Starkregengefahren-Hinweiskarte

51 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde:
Karte für ein 30-jährliches Regenereignis

63 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde:
Karte für ein 100-jährliches Regenereignis

100 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde:
Karte für ein extremes Regenereignis

Die Verteilung des Regenwassers wurde anhand topografischer Daten und Bebauungspläne berechnet. Doch es ist zu beachten, dass es sich um eine Modellrechnung handelt, keine exakte Vorhersage. Die Einfärbungen der Karten zeigen den maximal berechneten Stand des Oberflächenwassers nach ca. zwei Stunden Regen.

Mit den Karten von Unterföhring ist es möglich, sehr detailliert zu prüfen, wo und gegebenenfalls auch wie hoch im Falle von verschieden großen Regenmengen, die in sehr kurzer Zeit auftreten, Wasser in den Grundstücken, Straßen und im Gelände stehen wird. Mit dieser deutlich detaillierteren Karte ergänzt die Gemeinde eine Übersichtskarte des Bayerischen Landesamtes für Umwelt zu Oberflächenabfluss und Starkregen, die schon länger im dortigen Umweltatlas zu finden ist, unter www.umweltatlas.bayern.de.

Im Jahr 2025 hatte die Gemeinde ein Ingenieurbüro durchrechnen lassen, was geschieht, wenn bei einem Starkregen 51 Liter in der Stunde auf einen Quadratmeter regnen (30-jährliches Regenereignis), was, wenn es 63 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde sind (100-jährliches Regenereignis) oder gar 100 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde (Sturzflutereignis, extremes Regenereignis). Erstellt wurde das quadratmetergenaue Modell der Gemeinde unter anderem mit Geodaten aus Überfliegungen (Stand 2022) und Bebauungsplänen.

Natürlich handelt es sich um eine Modellrechnung und nicht um eine exakte Vorhersage. Aber das Modell gibt einen Hinweis auf mögliche Gefahren und damit auch eine Handlungs- und Planungsgrundlage für die Bürgerinnen und Bürger sowie für die Gemeindeverwaltung.

Karte mit den Gegebenheiten vor der eigenen Haustür abgleichen:

  • Gibt es Stellen, wo das Wasser besonders hoch stehen würde?
  • Befinden sich an diesen Stellen Möglichkeiten, wie das Wasser in das Haus eindringen könnte?
  • Sind wichtige Unterlagen oder Notfallrationen im Keller gelagert?

Wichtig: Um den Wasserabluss zu gewährleisten, müssen Schächte sowie deren Zu- und Abläufe und Schmutzfänger gereinigt werden.

Ansprechpartner zu Fragen, Maßnahmen und Informationsmöglichkeiten ist Klimamanager Holger Gödderz unter Tel. 089 / 95081-258, goedderz@unterfoehring.de, oder Herr Scholz, Leiter des gemeindlichen Tiefbaus und Verkehrs, unter Tel. 089 / 95081-824, scholz@unterfoehring.de.

Umfangreiches Informationsmaterial in Form von kostenfreien Broschüren und Faltblättern gibt es insbesondere beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK) und auch beim Bayerischen Landesamt für Umwelt (BLfU).

Im akuten Gefahrenfall ist der Notruf unter der Nummer 112 zu kontaktieren.

Dass wir mit derartigen sturzflutartigen Regenereignissen immer häufiger – und gerade auch in den Sommermonaten – zu rechnen haben, schilderten bei einer Informationsveranstaltung der Gemeinde zum Thema Starkregen und Sturzfluten im Bürgerhaus Ende Februar 2026 die Professoren Wolfgang Rieger von der Technischen Hochschule Deggendorf und Norbert Gebbeken, der an der Universität der Bundeswehr München lehrte und Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau ist. Gebbeken gründete das bundesweit vernetzte Forschungszentrum RISK – Risiko, Infrastruktur, Sicherheit und Konflikt.

Die Erwärmung der Atmosphäre, die mit dem Klimawandel einhergeht, sorgt dafür, dass die warme Luft immer größere Wassermengen aufnehmen kann. Wenn solche massiven warmen, nassen Wolken dann auf kältere Luftmassen treffen und sich sturzflutartig über einer Gegend entladen, kann es zu gewaltigen Wassermengen kommen, die ein Abfluss- und Kanalsystem nicht mehr so schnell bewältigen kann. Dann sucht sich das Wasser auf der Oberfläche seinen Weg und es kommt zu Überflutungen, ohne dass auch nur ein Fluss oder Bachlauf in der Nähe ist. „Solche Ereignisse waren bisher seltene Einzelfälle, aber sie werden es nicht bleiben, weil es immer wärmer wird“, erklärte Wolfgang Rieger. Ganz grob könne man sagen, dass das, was wir früher alle zehn Jahre erlebt haben, nun alle fünf Jahre geschehen werde. Was wir alle fünf Jahre erlebt haben, werde alle zwei Jahre geschehen.

Die Menschen müssen sich auf diese Veränderung einstellen und sich überlegen, was passieren kann und was nicht passieren darf und sie müssen entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen. Dabei ist nicht nur die Gemeindeverwaltung gefragt, die in Unterföhring das öffentliche Kanalnetz bereits auf 10-jährliche Regenereignisse ausgelegt hat anstatt auf die gesetzlich vorgeschriebenen 5-jährlichen und die versucht, bekannte Gefahrenstellen möglichst langfristig zu beheben. Auch der gemeindliche Bauhof sorgt regelmäßig dafür, dass die Abläufe, insbesondere auch an den Straßen, sauber und frei bleiben.

Wichtig und unabdingbar ist, dass der einzelne Bürger, ob Eigentümerin oder Mieter, auf seinem Grund Gefahrbereiche erkennt und entsprechend vorsorgt. Schon bekannte Schwachstellen sollten schnellstmöglich beseitigt werden. Zu geeigneten Vorsorgemaßnahmen und zur Schadensminderung ist man sogar gesetzlich verpflichtet (§5 Absatz 2 Wasserhaushaltsgesetz). In sehr vielen Fällen lässt sich auch schon mit wenig Aufwand eine höhere Sicherheit erreichen. Eine Elementarschadenversicherung abzuschließen, das betonten beide Professoren auch wieder in ihren Vorträgen, sei dringend anzuraten.

  • Sichern Sie außenliegende Zugänge und Zufahrten zu tieferliegenden Räumen sowie Lichtschächte gegen Überflutung.
  • Überlegen Sie, ob Sie gegebenenfalls Barrieren errichten müssen und wie diese beschaffen sind.
  • Halten Sie Abflüsse und Sickerschächte auf Ihrem Grundstück sauber und frei.
  • Kontrollieren Sie Ihren eigenen Abwasserkanal regelmäßig und bauen Sie eine Rückstausicherung ein, sodass hierüber kein Wasser eindringen kann.
  • Bewahren Sie wichtige Dokumente oder umweltgefährdende Stoffe außerhalb der überflutungsgefährdeten Bereiche auf oder lagern Sie sie in wasserdichten Behältern.
  • Im Fall einer Starkregenvorhersage: Nutzen Sie die Radiomeldungen und Warn-Apps, wie etwa die Warn-App Nina.
  • Verfolgen Sie die Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes online unter www.dwd.de
  • Schalten Sie frühzeitig den Strom in überflutungsgefährdeten Gebäudebereichen ab.
  • Bleiben Sie im Gebäude, auch Sturzfluten können einen Menschen mitreißen.
  • Gehen sie bei Sturzfluten niemals in den Keller oder fahren Sie nicht Ihr Auto aus der Tiefgarage. Schon ein Wasserstand von 10 Zentimetern im Keller kann verhindern, dass Sie die Türen wieder aufbekommen! Ab 30 Zentimetern brauchen sie eine Kraft von 45 Kilo!
  • Weitere Informationen zur Vorsorge und auch Handlungsweise während des Ereignisses finden Sie unter www.hochwasserinfo.bayern.de/aktiv_werden.

Was tun, wenn es heiß wird?

Der Klimawandel sorgt dafür, dass auch bei uns Hitzeperioden an Dauer und Intensität immer weiter zunehmen. So schön wir sie im Einzelfall vielleicht finden, lange anhaltende Hitze kann eine große Belastung für unsere Gesundheit bedeuten.

Wenn der Körper versucht, seine Temperatur normal zu halten, wird das Herz-Kreislauf-System stark beansprucht. Wer in der Hitze nicht auf sich aufpasst, muss damit rechnen, dass er irgendwann vielleicht sogar ins Krankenhaus muss.

In unterm verlinkten Flyer finden Sie einige einfache Maßnahmen mit denen Sie Ihren Körper unterstützen und so Ihre Gesundheit schützen können.

Und eine große Bitte: Achten Sie während einer Hitzewelle nicht nur auf sich, sondern auch auf Ihre Mitmenschen – manche leiden stärker unter Hitze als andere.


Diese Seite wird laufend mit Informationen über Klimawandelfolgen ergänzt. Schauen Sie gerne hin und wieder hier vorbei, um auf dem neuesten Stand zu bleiben.

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