Fünf Jahrzehnte Kulturarbeit mit viel Herzblut
Die Gemeindebibliothek feiert mit zwei Veranstaltungen ihr 50-jähriges Bestehen

Christin Stegerhoff, Leiterin der Landesfachstelle Oberbayern für öffentliche Bibliotheken (l.), gratulierte der Gemeinde beim Festabend für ihre moderne Gemeindebibliothek. Auch Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (r.) lobte das Bibliotheksteam um Leiterin Ilse Werner (3.v.l.) und Verena Reber (2.v.l.) für sein großes Engagement. Foto: Gemeinde Ufg/foe
Am 25. Oktober 1975 hat die Gemeindebücherei im Anbau des damals ganz neuen Unterföhringer Rathauses erstmals ihre Türen geöffnet. 50 Jahre ist das nun her und war Grund genug, dieses Jubiläum mit gleich zwei Veranstaltungen angemessen zu begehen. Knapp 300 Leserinnen und Leser haben am 25. Oktober das öffentliche Bibliotheksfest mit seinen vielen Sonderaktionen mitgefeiert. Am 29. Oktober waren nun rund 60 geladene Gäste zu einem Festabend in die großzügigen Räumlichkeiten im Bürgerhaus gekommen, in dem die frühere Bücherei seit 2010 zu Hause ist.
„Dieses Jubiläum gehört wirklich gefeiert“, sagte Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer in seinem Grußwort. „Denn die Bücherei – seit 2010 Gemeindebibliothek – hat das kulturelle Leben in Unterföhring in den vergangenen Jahrzehnten nachhaltig geprägt und befruchtet.“
Eine gemeindliche „Volksbücherei“ hatte es schon seit 1947 gegeben. Sie war zunächst in der Schule untergebracht, ab 1958 dann auf rund 40 Quadratmetern in der Gemeindehalle. Mit dem Einzug in den Rathausanbau hatte die neue Gemeindebücherei 1975 dann fast das Zehnfache an Nutzfläche erhalten und in Theresia Lorenz erstmals eine festangestellte Leiterin.
Dank des großen Engagements und der Umsicht von Frau Lorenz habe sich die Bücherei in den 25 Jahren ihrer Tätigkeit zu dem lebendigen Ort der Begegnung entwickelt, der sie auch heute noch ist, erklärte der Bürgermeister. Die Bücherei sei immer am Puls der Zeit geblieben, habe schon früh weitere Medien neben Büchern zur Ausleihe angeboten und vor allem von Anfang an großen Wert auf die Einbindung von Kindern und Jugendlichen gelegt. Um die Leselust beim Nachwuchs zu wecken und zu fördern, hatte Frau Lorenz mit der Schule und den Kindergärten zusammengearbeitet und neben Lesungen und Ausstellungen auch Kindertheater in der Gemeindebücherei veranstaltet.
Ihre Nachfolgerinnen Waltraud Lutz und Kathrin Schulte-Wien hatten die Einrichtung in ihrem Geist und mit großem Engagement weitergeführt, ehe sich – schon unter Ilse Werner – mit dem Umzug ins neue Bürgerhaus ganz neue Möglichkeiten ergaben. „Altbürgermeister Franz Schwarz und die damaligen Entscheidungsträger im Gemeinderat tragen die Verantwortung dafür, dass hier der ideale Standort für unsere Bibliothek entstanden ist“, meinte Bürgermeister Kemmelmeyer. Auf drei Etagen und insgesamt 800 Quadratmetern erwuchs ein Treffpunkt mit hoher Aufenthaltsqualität, neben vielen Lese-, Arbeits-, und Internetplätzen gab es nun auch ein attraktives Lesecafé.
„Der Umzug war ein riesiger Entwicklungssprung“, erinnerte sich Ilse Werner. „Wir hatten zweieinhalbmal so viel Fläche wie zuvor und viel neue Technik, der Alltag war ganz neu zu organisieren. Der Gegensatz zur alten, kuscheligen Bücherei hätte kaum größer sein können.“ Nach anfänglicher leichter Skepsis gingen die Leserinnen und Leser den Schritt dennoch gerne mit. Auch weil das Team der Bibliothek das Veranstaltungsangebot enorm ausbaute und mit viel Herzblut immer wieder neue Gründe schuf vorbeizuschauen – insbesondere auch für junge Leserinnen und Leser.
Dieses große Engagement wurde auch außerhalb Unterföhrings wahrgenommen. 2019 erhielt die Bibliothek den Kinderbibliothekspreis und genießt bis heute hohes Ansehen. „Die Gemeindebibliothek zeigt, wie vielfältig und lebendig ein moderner Bibliotheksbetrieb sein kann“, lobte Christin Stegerhoff, die Leiterin der Landesfachstelle Oberbayern für öffentliche Bibliotheken nun am Festabend. Das sei das „Ergebnis von Leidenschaft, Professionalität und Teamgeist“. Nicht zuletzt aufgrund der 2021 eröffneten Zweigstelle am Unterföhringer Gymnasium sei zudem „die hervorragende Zusammenarbeit mit den Schulen bei der Vermittlung von Lese-, Medien- und Informationskompetenz“ hervorzuheben.
Und hatte es 2010 mitunter noch Bedenken gegeben, ob es sich lohne, einem vielleicht aussterbenden Medium so viel Platz im neuen Bürgerhaus einzuräumen, so sind diese schon lange ausgeräumt. „Das Buch hat sich vom eBook nicht ablösen lassen und liegt wieder voll im Trend“, sagte Ilse Werner. „Auch die Kinder- und Jugendbuchausleihe ist zuletzt stark gestiegen.“
Nicht einmal Corona hat die Beliebtheit der Gemeindebibliothek beeinträchtigen können. Ein kurzfristig auf die Beine gestellter Lieferservice brachte den Leserinnen und Lesern damals die Bücher nach Hause. Nun zeugen jährlich 60.000 Besucher davon, wie tief die Bibliothek im Kulturleben der Gemeinde verankert ist. Sie sei weit mehr als ein Ort zur Ausleihe von Büchern, fasste es Kulturamtsleiterin Barbara Schulte-Rief in Worte: „Die Bibliothek ist ein Ort für Wissen, für Inspiration, zum Lernen und zum Träumen – ein Forum des Austauschs.“
